Diätlügen

Die Deutschen werden immer dicker. Die meisten davon sind unzufrieden mit ihrer Figur und haben Angst vor den gesundheitlichen Folgen des Übergewichts. Diäten haben dementsprechend Hochkultur–doch wie viel Wahrheit steckt in diesen Diättipps? Und wie entlarvt man Diätlügen?

Die Versprechungen der Diät-Industrie sind groß. Die verschiedensten Programme, natürlich zumeist kostenpflichtig, unzählige Hilfsmittel und Arzneimittel – das Angebot ist unglaublich vielfältig. Ergänzt wird der Diätwahnsinn durch Ernährungsberater, Heilpraktiker und sogar spezialisierte Ärzte.


Angstgegner Kohlenhydrate


DiätlügenIn den letzten Jahren wurden die Kohlenhydrate zum Feind des Abnehmens erklärt. Während früher noch Reisdiäten propagiert wurden und das Fett verteufelt, haben heutzutage die Kohlenhydrate in Form von Brot, Nudeln, Kartoffeln und Reis den schwarzen Peter. Diäten aus der Gruppe der Low-Carb-Diäten erlauben meist nur einen Anteil von 30 Prozent Kohlenhydraten, während Diäten wie die Atkins-Diät jegliche Kohlenhydrataufnahme verbietet. Hintergrund ist die Annahme, dass durch ein Niedrig-Halten des Blutzuckerspiegels der Stoffwechseln angekurbelt, die Neueinlagerung von Körperfett verhindert und so der Fettabbau im Körper aktiviert wird. Während die meisten Low-Carb-Diäten durchaus ihre Berechtigung haben, kann die Atkins-Diät schwere Nebenwirkungen hervorrufen, da sich das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper ungünstig verschiebt. Ein nicht ganz ungefährliches Diätversprechen also!


Fette, Eiweiß und Co


Andere Diät-Konzepte davon aus, dass nur Fett fett macht. Medizinisch betrachtet leider ebenfalls Unsinn, da der menschliche Körper beispielsweise Kohlenhydrate effektiv in Körperfett umbaut. Deshalb kann man auch bei fettarmer Ernährung durchaus übergewichtig werden. Demgegenüber wird häufig versprochen, dass eine eiweißreiche Ernährung die Pfunde purzeln lässt. Eiweißhaltige Diätdrinks werden zusätzlich zur normalen Ernährung empfohlen und sollen durch Ankurbeln des Stoffwechsels das Abnehmen einläuten. Realistisch betrachtet kann das aber nur funktionieren, wenn zeitgleich die Ernährungsgewohnheiten angepasst und weniger Kalorien pro Tag zugeführt werden. Auch bei Produkten, die mit Aufschriften wie „light“ oder „Diät“ geringere Kalorienmengen suggerieren, sollte unbedingt ein Blick auf das Etikett erfolgen, da häufig der Fettanteil zugunsten eines höheren Zuckeranteils reduziert wird.


Verzicht auf Mahlzeiten und Heilfasten


Ebenfalls sehr beliebt sind Diäten, die das Weglassen einzelner Mahlzeiten zu bestimmten Tageszeiten empfehlen. Ob „Dinner-Cancelling“ oder Verzicht aufs Frühstück – aufgrund der einfachen Umsetzung erscheinen solche Diäten als besonders simpel und effektiv. Theoretisch zumindest. Praktisch holt der Körper versäumtes bei den nächsten Mahlzeiten durch ein verspätetes Sättigungsgefühl wieder auf. Besonders extrem wird der Ansatz beim Heilfasten durchgeführt. Es heißt, dass Heilfasten entgiftet und den Speck schmelzen lässt. Medizinisch betrachtet, leert der Körper all seine Glykogenreserven, baut Muskulatur ab und scheidet Wasser aus. Zugleich schaltet der Organismus auf Sparflamme – mit dem Effekt, dass die Nahrungsmittel nach der Fastenkur besonders gründlich verdaut und die Kalorien eingelagert werden. Der Jojo-Effekt ist häufig die Folge.


Besondere Diäten


Besonders spannend sind Diätversprechen der besonderen Art: Schokolade oder ein Glas Wasser eine halbe Stunde vor dem Essen, die Ananasdiät oder exzessives Saunieren sollen die Pfunde purzeln lassen. Wem das nicht effektiv genug ist, der greift auch zu Appetitzüglern oder Abführtee. Während letzteres kurzzeitig das Gewicht auf der Waage nach unten zaubert, stellen Appetitzügler oftmals eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar, vor allem dann, wenn sie aus inoffiziellen Kanälen bezogen werden. Diätlügen können also nicht nur nervig sondern auch gefährlich sein.